Nichts hält länger als ein Provisorium

Filmtipp: Frau Böhm sagt nein

Im KKH bekommt man ja irgendwo zwangsläufig die tägliche Berieselung Infusion mit beliebig viel Unterschichtenfernsehen.
Umso erfrischender heute morgen in ARD die Vorankündigung zum Fernsehfilm Frau Böhm sagt nein.

5. Festival des Deutschen Films im Juli 2009 in Ludwigshafen auf der Parkinsel

5. Festival des Deutschen Films im Juli 2009 in Ludwigshafen auf der Parkinsel


Ich habe diesen Film im Sommer bei seiner Premiere auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen auf der Parkinsel gesehen und fand diesen Film klasse.

Die Hauptperson des Films – Rita Böhm, gespielt von Senta Berger – ist seit Jahrzehnten im Sekretariat des Vorstandes eines größeren Unternehmens tätig, zuständig für die Vorstandsbezüge. Sie ist die Korrektheit in Person, man könnte es schon fast pedantisch nennen, aber in so einer Position in der absolute Gewissenhaftigkeit und Loyalität gefordert ist, ist eben kein Platz für menschliche Schwächen oder gar Fünfe gerade sein lassen.

Dieses Klima ändert sich durch die Übernahme des Betriebes durch eine andere Firma und mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden. Das Klima wird … gelassener. Das sieht man dann auch im Vorzimmer, wo die neuen Modepüppchenvorzimmertippsen mit vollkommen banalen Aufgaben überfordert wirken. Ein harter Bruch auch im Führungsstil und im Selbstverständnis. Finanzschmuddel. Bestechung, Intrigen, … das volle Programm eben.

Den Rest kennt man aus den Tagesnachrichten (sogar der bayrische Michel hat da noch seinen Auftritt) — der Film hat eine beeindruckende Aktualität, auch wenn das Drehbuch vor der allgegenwärtigen Wirtschaftskrise geschrieben und verfilmt wurde.

Es ist ein Kontrast zwischen “wir da oben” und “wir hier unten”. Frau Böhm bleibt korrekt, loyal ihrem Gewissen gegenüber, selbst bei der korrekten Abrechnung ihrer allerletzten Überstunde wird sie nicht schwach.

Klingt alles ziemlich spießig. Grauer Büroalltag, Gesellschafts- und Wirtschaftskritik, kennt man alles, tausendmal diskutiert. Der Film ist aber alles andere als das. Ich fand die Premiere sehenswert und werde mit den Film heute abend, 20:15 Uhr auf ARD deswegen auch wieder anschauen. Lohnt sich!

Viel Spaß!
Raphael

PS: Wer mich kennt weiß, dass ich seit vielen Jahren kein TV mehr gesehen habe. Da ich dieses “Fernsehzimmer” morgen vorerst verlassen werde, wird es vermutlich auch der vorerst letzte Filmtipp bleiben.

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